Autor: Robert Homberger
„Üüüüüüüüüüüüüüühhhh!“ dröhnt es, als ich nach einem Duckdive wieder an die Oberfläche tauche. Ein kleines Zweimannflugzeug fliegt über den wolkenlosen Himmel nur knapp 100 Meter über der Wasseroberfläche. Das sirenenartige Geräusch schwingt immer noch durch die Luft. Für einige Sekunden kehrt wieder Stille ein, doch dann zerstört die Sirene wieder jegliche Ruhe. Ein bisschen beunruhigt schaue ich mich um und sehe mehrere Surfer auf ihren Brettern ungewohnt hin- und herrutschen. Die Sirene, die uns von Cronullas Strand entgegenschallt, setzt ab und zu aus. „Vielleicht nur eine Übung“, denke ich mir. Doch als das Flugzeug zurückkommt und die Luft mit seinen Flügeln knapp über unseren Köpfen zerschneidet, wird mir ein bisschen unwohl im Magen.
„Boardriders, please leave the water, there are two sharks north of Wanda“, teilen uns die Lifeguards durch die Lautsprecher mit.
Und gleich danach dröhnt die Sirene wieder los, diesmal ohne Pause. Cronulla ist ein sechs Kilometer langer Surfstrand in Sydneys Süden und wie es das Schicksal so will, surfe ich genau an dem Strandabschnitt mit dem Namen Wanda – dort wo die Haie grad auf Futtersuche sind. Mein Unwohlsein geht in milde Panik über. Ich versuche jedoch Fassung zu bewahren, während ich das Wasser um mich herum etwas genauer inspiziere. Keiner der anderen Surfer – viele schauen aus wie die Altherrenmannschaft im Kegeln mit Bärten und etwas runderen Bäuchen – macht irgendwelche Anstalten an den Strand zu paddeln, selbst nachdem die Lifeguards mit dem Rubberduckie [aufblasbares Gummiboot der Surfpatrouille, Anm. R.H.] an uns vorbeirauschen und uns noch einmal darauf hinweisen, dass sich zwei Haie in nicht zu weiter Ferne herumtreiben. Das nenne ich australische Gemütlichkeit im Extrem. Selbst nach knapp drei Jahren Down Under bin ich noch nicht wahnsinnig geworden und entscheide mich die nächste Welle an den Strand zu nehmen. Doch etwas gemütlicher bin ich definitiv geworden: Früher wäre ich panikartig direkt an den Strand gepaddelt. Man gewöhnt sich irgendwie an alles. Der Ozean steht still, Zeit auch, so scheint es für mich jedenfalls. Die Setpausen sind mindestens fünf Minuten an diesem perfekten Sonntag. Der Swell kommt aus dem Osten mit einer 10 Sekunden Periode, der Wind bläst schwach offshore und die Setwellen messen knapp zweieinhalb Meter.
Meine Sinne sind extrem geschärft und ich suche immer noch die Wasseroberfläche nach großen Schatten ab, als das nächste Set ankommt.
Schnell richtig positionieren, Welle anpaddeln, Takeoff und ab gen Strand. Der Endteil der Welle läuft leider in einen tiefen Wasserkanal und ich muss die letzten 50 Meter paddeln, diesmal im fünften Gang begleitet von einigen anderen Surfern. Ich komme mir vor wie ein Wettkampfschwimmer auf der Zielgeraden, als ich die letzten Meter zurücklege und in eine üppige Zuschauermenge laufe, die das Meer nach den Haien scannt. Erlöst verlasse ich den Strand und stapfe die Düne hoch. Ich drehe mich noch einmal um. Wie erwartet, ist mindestens die Hälfte der Surfer, an die 20 Alte und Junge, noch im Wasser. Nicht mit mir.
Folgenden Artikel fand ich am nächsten Morgen in mehreren Tageszeitungen:
Shark sightings force beach closures | NEWS.com.au
December 09, 2007 04:30pm
SIGHTINGS of four hammerhead sharks forced the closure of two beaches in Sydney’s south today.
The sharks were spotted by an aerial patrol about 30 metres from shore between Wanda and Cronulla beaches this morning. One shark, estimated to be 2.5 metres long, was seen just five metres from surfers. Lifeguards were alerted and used an inflatable rescue boat to drive the sharks out to sea. Aerial Patrol general manager Harry Mitchell said sharks were sighted in a similar area last weekend. „Water temperatures are up and sharks are doing what they often do, come in closer in search of food,“ he said. „Beachgoers are urged to heed warnings from the aircraft and beach safety providers with shark sightings anticipated until at least March of next year.“ The beaches were closed while surfers and swimmers were called out of the water and the sharks driven off. Both beaches were reopened a short time later.
(Quelle: http://www.news.com.au/story/0,23599,22894785-29277,00.html#)
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