Text: Ruben
Ruben verrät euch wie er einer Trauerzeremonie für einen verstorbenen Mönch beiwohnen konnte, wie ihr an das beste Gesöff Sri Lankas rankommt, Polizisten stilvoll besticht und er bringt euch an einen der schönsten Plätze Sri Lankas.
Der tote Mönch
An einem Wochenende hab ich mir die typische Kulturtour samt Regenwald gegeben. Absolut faszinierend ist der Tempel von Mulgirigalla, der auf einem knapp 100 Meter hohen Felsblock erbaut ist. Als ich das erste Mal zu Besuch war durften wir nicht in den Tempel, wohl aber auf den Fels mit fantastischer Sichtweite bis 100 zu Kilometer aufs Meer. Wir durften nicht in den Tempel, weil die Beerdigung für den Obermönch durchgeführt wurde. Alle Mönche waren in weißer Trauerkleidung gekleidet. Als ich wieder vom Berg kam, fragte ich einen Mönch nach dem verstorbenen Mönch. Er gab mir ein Zeichen, dass ich ihm folgen solle.

Ich kam in einen Raum, in dem der Mönch aufgebahrt war, eingewickelt in ein orangefarbenes Tuch und umgeben von einem bunten Meer von Blumen. Ich war total fasziniert und ergriffen. Da lag der Leichnam, bewacht von einer Schar von jungen Mönchen, die meditativ zusammen sangen. Der friedliche Gesichtsausdruck des gealterten Mönchs wird mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben.
Trinken mit Locals
Falls es euch nach Sri Lanka verschlägt, fragt die Männer in den kleineren Dörfern nach „Toddie“. Als erstes bekommt ihr nur ein ahnungsloses Schulterzucken als Antwort. Wenn ihr aber hartnäckig bleibt und ihnen davon vorschwärmt – ohne eigentlich richtig zu wissen was das ist – kann es sein, dass sich plötzlich einer der Herrschaften daran erinnern möchte. Ein kurzes Funkeln in ihren Augen: „Toddie, aaahh, Toddie!“. Mir signalisiert einer der Herren ihm zu folgen. Ich denke mir: „Ok. jetzt geht’s in einen dubiosen Shop, in dem ich dann unter der Hand das Zeug abgefüllt in Flaschen kaufen kann.“ Nein, hart gefehlt. Ich folge ihm mit dem Motorbike für etliche Kilometer in ein noch abgelegeneres Dorf. Toddie ist ein alkoholisches Getränk mit knapp 10 % Alkoholanteil, das aus der Palmenblüte gewonnen wird. Die Arbeiter, die hier das Zeug gewinnen, sind so ungefähr das Pendant zu unseren Obstbauern – heimlich Obstler brennend in ihren Kellern. Die Palme ist mir total unbekannt. Sie sieht der Fishtailpalme unheimlich ähnlich. Die Blätter schauen wie Gingobaumblätter aus. Könnte ich ihr einen Namen geben, würde ich sie Trauerpalme nennen, da sie ihre Zweige hängen lässt. Ich steige vom Motorbike ab und folge ihm in eine Teeplantage, in der eine dieser Palmen steht.

Flink wie ein Affe krakselt er mit einem Messer bewaffnet in die knapp 15 Meter hohe Krone. Nach ein paar Minuten kommt er wieder runter und hat einen tiegelähnlichen, gusseisernen Topf in der Hand, aus dem wir dann beide abwechselnd trinken. Hmmhh, lecker und sehr fremd. Es schmeckt etwas wie süße selbstgemachte Holunderbohle mit viel “Spumante”. Haut ziemlich rein!
Polizeikontrolle mal anders
Um Sri Lanka hautnah zu erleben habe ich mir ein Motorbike geschnappt und bin acht Tage auf Erkundungstour gegangen. Hier gibt es kein besseres Fortbewegungsmittel als ein Motorbike. Das Nötigste hinten auf dem Gepäckträger verschnürt und los geht’s! Man schwitzt nie, kann easy überholen und ist schnell unterwegs. Man muss nur höllisch gut aufpassen. Nach über 1000 Kilometern auf unendlichen Passstrassen, 2000 Meter rauf und runter, eine Serpentine nach der anderen. Ich kann nur all zu gut verstehen was Motorbikefahrer so irrsinnig daran begeistert, besonders wenn die Strecke kurvig, die richtige Steigung und gut ausgebaut ist.
Während ich gemütlich durch die Landschaft cruise, nähern sich in schnellem Tempo zwei Motorräder. „Polizei“, ich glaub’s nicht. Sie signalisieren mir, dass ich anhalten soll. Sie halten einige Meter hinter mir und kommen mit einem Grinsen im Gesicht gemütlich angetrottet. „Driving licence and insurance please“, sagt einer der Polizisten. Ich zeige ihnen meinen internationalen Führerschein, den ich in Deutschland mit viel Zeitaufwand beantragt habe.“We don’t accept this document in Sri Lanka, “ sagen sie und halten mir gleichzeitig den Bußgeldkatalog hin, auf dem ich lesen kann: Missing driving licence = 2500 rs. Dies entspricht hier ca. 50 Mahlzeiten. Ich versuche ihnen zu erklären, dass mein deutscher Führerschein in Galle ist, woraufhin sie nur die Schultern zucken. Sie fragen mich was ich denn in Sri Lanka mache. „Ahhh, internship (pj) at karapitya hospital“, antwortete ich. Im Handumdrehen verschwindet der Bußgeldkatalog in der Tasche der Polizisten und das unsympathische Lächeln wechselt zu einer freundlichen Miene. Von Bußgeld ist keine Rede mehr. Es kommt noch viel besser. Sie wollen ein Foto zusammen mit mir. Ich stelle die Kamera auf Selbstauslöser und wir lachen zusammen als der Auslöser tickt. Die Polizisten geben mir ihre Adresse und bitten mich, ihnen die Fotos zuzuschicken.

Sie haben aber noch eine weitere Überraschung bereit. Sie fragen mich ob ich heute schon Lunch hatte.
„Nein“, erwidere ich etwas verwirrt. Ohne etwas zu sagen, sitzen die zwei überengagierten Kollegen schon wieder auf dem Motorbike und deuten mir, ihnen zu folgen. Auf der Fahrt, die bestimmt eine halbe stunde dauert, überholen wir uns gegenseitig mehrere Male, mal mit Sirene, mal mit Blaulicht. Da sitzen die zwei Beamten in Uniform auf dem Bike und freuen sich wie junge Lausbuben. Das Curry, das wir anschließend zusammen verzehrten, war prächtig.
Horton Plains
Auf meiner Tour kam ich auch an den Hortons Plains vorbei, eine auf 2000 Meter gelegene Hochebene, die besonders durch ihre einmalige Schönheit, Unberührtheit und Abgelegenheit für mich ein absolutes Muss war. Kilometerlang schraubte ich mich in die Höhe um dann oben angekommen, festzustellen, dass einer meiner Flipp Flopps seinen Geist aufgegeben hatte. Vor mir lag ein neun Kilometer langer Track durch traumhafte Natur, die mich oft an Landschaftszüge von Neuseeland erinnert hat.

Glücklicherweise traf ich einen Ranger, der mir, nachdem er meine abenteuerliche Konstruktion – den Flipp Flopp mit einem Seil römerschuhmässig an meinen Fuß gebunden -gesehen hatte, einen seiner Flipp Flopps leihen wollte. Der schönste und einzigartigste Ort ist das so genannte „World’s End“, eine von der Hochebene vertikal abfallende schroffe Felswand, von bestimmt 400 Höhenmetern mit einem phantastischen Blick in die umliegenden Täler.

Kaum zu glauben, dass sich von dieser Stelle noch heute unglücklich verliebte Paare in den Tod stürzen. Die Gesellschaft lässt aufgrund zu großer Unterschiede in Religion oder Gesellschaftsstand oftmals eine Vermählung nicht zu. Im Glauben wenigstens im Nirwana beisammen sein zu können, stürzen sich die Paare in die Tiefe.
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